Sexpreneurin Anna Zimt: „Wir haben nur dieses eine Leben“

Wie können Männer und Frauen in Beziehungen ihre Liebe über viele Jahre spannend halten und lustvoll leben? Das ist wohl die Kernfrage für viele Paare, die irgendwann vor den Trümmern ihrer Liebe stehen. Weil das Verlangen weg ist oder man Lust auf andere Haut hat. Die meisten probieren das monogame Beziehungsmodell, das langfristig jedoch in den seltensten Fällen lebbar ist. Studien gehen davon aus, dass ca. 40% der Deutschen schon mal in einer Beziehung mindestens eine Affaire hatten. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Dennoch halten über 70% der Deutschen an dem Ideal eine monogamen Beziehung fest und machen sich damit selbst in den meisten Fällen unglücklich.

„Es ist krass wie viele Leute in Beziehungen festsitzen, wo sie sich nicht trauen, dem Partner ihre Gefühlswelt  und ihre Sehnsucht anzuvertrauen“, stellt Anna Zimt fest.  Sie ist Autorin des Buches „In manchen Nächten habe ich einen anderen“ und schreibt darin offen über ihre Erfahrungen mit einer offen gelebten Beziehung.  Seit 15 Jahren ist sie mit ihrem Mann zusammen, den sie im Buch Max nennt. Seit sieben Jahren erlaubt sich das Paar, auch anderen Partner nebenbei zu treffen. Dabei steht für die quirlige und sehr offen erzählende Autorin fest, dass sie mit Max alt werden will.

Autorin Anna Zimt lebt offen ein anderes Beziehungsmodell

Monogamie ist doof, Single-Dasein auch

Anna Zimt ist eine echte Erscheinung, innerlich und äußerlich. Und zwar nicht nur, weil sie mit ihren langen roten Haaren und schönen Augen toll aussieht, sondern weil sie eine Lebendigkeit ausstrahlt, die man selten bei Menschen erlebt. Als brenne das Leben in ihr auf voller Flamme. Und das hat wohl viel mit der Entscheidung zu tun, eine andere Art von Beziehung zu führen.  Mit ihrem Mann kam sie irgendwann an den Punkt, „wo wir Monogamie doof fanden, aber Single-Dasein auch“. Über einen längeren Zeitraum spielten sie miteinander gedanklich Ping Pong, wie eine andere Art der Beziehung aussehen könnte und welche Regeln dabei auch zu gelten haben  (etwa, dass es keine Treffen zu Hause gibt, jeder ein Vetorecht hat und Freunde tabu sind).  Über ihre Erfahrungen schreibt sie in ihrem Buch und hat damit einen Nerv getroffen, denn gerade erschien die zweite Auflage.

Der Reiz des Buches liegt aber nicht nur darin, dass man eine Person begleitet, die ein solches Beziehungsmodell seit vielen Jahren praktiziert, und somit weiß was geht und was man besser lässt. Es ist diese besondere Mischung aus kolumnenartigen Texten, erotisch-sexy Beschreibungen ihrer Affairen und einer entwaffnenden Ehrlichkeit, die das Buch besonders lesenswert macht. Man liest über einen echten Menschen, man kommt ziemlich nah ran, erfährt wie eine offene Beziehung im Alltag funktioniert und kann ein Stück mitfühlen. „Die Leute sollen durchs Schlüsselloch gucken. Ich möchte Vorurteile abbauen und zeigen, dass normale Frauen von nebenan so etwas leben können“, bringt es Anna Zimt auf den Punkt. Auch wenn sie ein Buch geschrieben hat, das sie selbst gerne gelesen hätte, ist schon auch ein Stück Mission mit im Spiel. Das Buch soll mehr „Toleranz für verschiedene Lebensmodelle“ erzielen. Wohl auch, weil Anna Zimt immer wieder Menschen begegnet, die unglücklich in ihren Beziehungen sind und sich nicht trauen, etwas anderes auszuprobieren. Bei Frauen spüre sie häufig die Angst davor, ihre Männer würden dann eine andere Beziehung aufbauen. Nach ihrer Erfahrung gehe es aber bei Männern eher um das Ausleben ihrer Lust. Max und sie gestehen sich sogar Verliebtheit zu und leben diese „in Episoden aus. Aber Verknallt zu sein hat Halbwertzeit. Ich würde mit so jemand nie Weihnachten verbringen wollen.“

Wichtig ist Anna Zimt eben auch, klarzumachen, dass sie und Max immer noch eine Liebesgeschichte leben. Egal welche Menschen nebenbei noch in ihre Leben treten.

Positive Reaktionen in der SoMe-Bubble

Anna flirtet für ihr Leben gern, wie sie unumwunden zugibt. Und man glaubt es sofort. Diese Frau flirtet mit dem Leben, zieht daraus ihre Energie. Sie ist im Gespräch unverstellt und unverblümt, auch wenn sie gleich einwirft, sie und ihre Familie schon zu schützen. Auch deshalb nutzt sie ein Pseudonym. Dennoch wird es mit ihrer wachsenden Bekanntheit schwieriger, etwa auf Tinder zu daten. Und natürlich quatschen die Leute mehr. Doch Anna macht jedem sehr schnell klar, dass keiner in einer bestimmten Art über sie reden darf. „Ich lasse mich durch kein Ego einschränken.“ Das freilich zeigt eine besondere innere Stärke und passt zu ihrem Anspruch, dass es letztlich um die Themen „Weiblichkeit und Selbstbewusstsein“ geht. Die Reaktionen auf ihr Buch sind „in meiner Social-Media-Bubble überwiegend positiv“. Anna ist eine fleißige Instagramerin, die von sich selbst sagt, dass sie intuitiv mit dem Medium umgehe und wenig rechts und links schaue, weil sie das zu sehr einschränken würde. Es lohnt sich, ihre Stories anzuschauen, die immer ein bisschen schräg und lustig sind.

Gerade sitzt Anna am zweiten Buch – Inhalt geheim. Ansonsten schreibt sie Songs für Künstler und realisiert mit ihrer Freundin Paula den unterhaltsamen Podcast „Schnapsidee“. Anna beschreibt ihn als „feministisch, witzig, auch quatschig. Eben wie bei einem Mädelsabend: 60% Unsinn, 40% Inhalt“. Man könne sie durch den Podcast schon ganz gut kennenlernen. „Ich bin so wie ich nach außen auftrete.“

Ihren Männertyp beschreibt sie übrigens als Gegenteil von „durchtrainiert und bärtiger Hüne“. Männer, die sie interessieren, sind eher jungenhaft, intelligent, humorvoll und können starke, leidenschaftliche Frauen aushalten. Ein Ende ihrer Beziehungsform kann sie sich nicht vorstellen. Sie kennt selbst Paare mit Kindern, die offene Beziehungen führen. „Vielleicht reden wir irgendwann darüber, ob Nebenbeziehungen richtig sind, aber dass wir zur Monogamie zurückkehren, glaube ich nicht.“ Und dann wirft sie noch etwas in die Runde, das mir lange im Ohr bleibt: „Ich denke immer, wir haben nur dieses eine Leben. Das macht mich kompromissloser, sich gegenseitig zuzumuten.“ Eine kluge, fast schmerzende Erkenntnis. Aber auch ein Manifest, das andere zum Aufbruch aufrütteln könnte.

Das Buch gibt es im Buchhandel und online z.B. bei Amazon


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One Response to Sexpreneurin Anna Zimt: „Wir haben nur dieses eine Leben“

  1. Lotta Frei sagt:

    Danke für diesen Einblick, Anna Zimt scheint eine sehr authentische Persönlichkeit zu sein. Das macht sie mir noch sympathischer. Ihre Einblicke in die offene Beziehung auf Instagram schätze ich auch sehr und kann jedem*r Interessierten nur empfehlen, das Buch zu lesen!

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