Sexpreneurinnen: Erotik-Blog-Pionierin Florentine Winter: „Mir geht es vor allem darum, Frauen zu inspirieren, ihre eigene sexuelle Identität zu finden und zu leben“

Der Erotik-Blog http://www.florentine-winter.de gehörte zu den ersten, die ich entdeckt habe, als ich gezielt nach sinnlicher Inspiration suchte. Florentine Winter ist nicht nur eine der erfolgreichsten Bloggerinnen auf dem Gebiet, sie macht es vor allem mit viel Anspruch und visueller Power. Ich habe sie ein bisschen zu ihrer Geschichte und ihrem Blog gelöchert. Die tollen Bilder sind von Paulina Clemenz.

Du bloggst seit 2009 über Erotik? Damit warst Du schon eine Pionierin oder?

Florentine Winter: Ja, in der Tat! Es gab 2009 kaum deutsche Erotik-Blogs, und wenn dann entweder in die Porno-Richtung oder eher in die feministische Richtung. Ich fühlte mich von beidem nicht angesprochen und wollte gerne etwas Eigenes auf die Beine stellen. Ein Freund ermutigte mich damals dazu, meine erotischen Texte zu veröffentlichen und mein Mann realisierte mir meinen Blog. Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe versucht, die Plattform zu kreieren, die ich mir selbst gewünscht habe.

Florentine Winter ist ein Pseudonym. Warum?

Florentine Winter: Für mich macht das Schreiben unter Pseudonym Sinn, denn es gewährt mir den Freiraum authentisch über Sex, Liebe und Partnerschaft zu schreiben. Es ist, als rückte man ein Stück von sich ab. So entsteht die nötige Freiheit, sich und seine Gedanken reflektiert zu betrachten.

Und ja, natürlich schützt es auch ein Stück weit vor Übergrifflichkeiten. Als ich anfing über Sex zu bloggen, herrschte wohl die gängige Meinung, wer über Erotik schreibt, der ist auf der Suche nach sexuellen Kontakten. Mein Postfach quoll über mit Nacktfotos und dämlichen Anmachen. Inzwischen hat sich das gebessert, was wohl auch daran liegt, dass meine Leserschaft weiblicher geworden ist.

Du umschreibst Deinen Blog als „Sexual Lifestyle“. Geht also um mehr als nur die schönste Nebensache der Welt?

Florentine Winter: Mir geht es vor allem darum, Frauen zu inspirieren, ihre eigene sexuelle Identität zu finden und zu leben (#findyoursexuallifestyle). Mit meinen Fotos und meiner Arbeit möchte ich verdeutlichen, dass Sex ein Teil des Lebens ist, der einfach dazu gehört. Daher mische ich auf meinem Instagram-Profil „normale“ Fotos aus meinem Leben mit Sexual-Lifestyle-Bildern.

Natürlich ist Sex intim und privat, aber JEDER hat ihn. Daher macht es für mich absolut keinen Sinn, sexuelle Themen aus meinem Alltag und Gesprächen auszuklammern. Solange wir uns im Instagram-Feed immer noch darüber echauffieren, dass eine Frau das Bild eines Vibrator postet und auch noch zugibt, damit Spaß zu haben, solange verhalten wir uns nicht offen und aufgeklärt.

Ein Paradebeispiel von Doppelmoral ist es für mich, mit sexuellen Andeutungen Schlafzimmer-Möbel zu bewerben, aber eine stilvolle Fotostrecke über die Renovierung eines Schlafzimmers auf einem Sexual-Lifestyle-Blog nicht zu dulden.

In Sachen sinnlicher Lebensstil können die Deutschen bestimmt Nachhilfe gebrauchen?

Florentine Winter: Jeder kann Hilfe und Inspiration bei diesem Thema brauchen. Denn Sinnlichkeit beginnt bei einem selbst: Bin ich gut zu mir? Weiß ich, was ich brauche und fordere ich das ein? Guter Sex und Erotik brauchen Raum. Das fängt bei einem wohlgestalteten Schlafzimmer an und hört beim Thema Selbstliebe auf.

Welche Seite an Dir hast Du durch den Blog (neu) entdeckt?

Florentine Winter: Mein Blog hat mich vor allem für das Internet begeistert. Ich finde es großartig, Menschen damit zu erreichen und tatsächlich eine eigene Leserschaft zu haben. Ich mag die kreative Arbeit sehr und da das Thema Sex so vielfältig ist, bin ich immer wieder gezwungen, meine Vorurteile und meine Meinung zu hinterfragen. Ich bin offener, aber auch anspruchsvoller geworden.

Gab es je von Deinem Umfeld kritische Reaktionen? Oder machst Du ohnehin immer das, was Du denkst?

Florentine Winter: Bisher bekomme ich viel Respekt und Wertschätzung von meinem Umfeld. Ich versuche, bei mir zu bleiben und mich auf meine Inhalte zu konzentrieren. Es hilft mir, mich immer wieder daran zu erinnern, dass es nicht darum geht, anderen zu gefallen, sondern ganz bei sich zu sein.

Du legst sehr viel Wert auf Fotografie. Woher kommen Deine Einfälle?

Florentine Winter: Ich bin schon immer ein großer Fan der Fotografie gewesen und versuche mich einfach selbst darin. Im Laufe der Zeit scheine ich langsam meinen Stil zu finden.

Inspiration für meine Fotos finde ich auf Instagram. Ich liebe Accounts rund um Kunst, Blumen und Interior. Für aufwendige Produktionen, wie etwa mein elektronisches Magazin habe ich Hilfe von (m)einer Grafikerin. Meine alltäglichen Instagram-Bilder stammen von mir. Ich bin zum Leidwesen meines Umfelds fest mit der Kamera verwachsen und fotodokumentiere meinen Alltag, auch wenn nur ein Bruchteil davon öffentlich wird.

Warum sind auf Deinem Blog Begriffe wie „real“, „authentic“, „female“ wichtig?

Florentine Winter: Ich versuche damit zum Ausdruck zu bringen, dass es mich wirklich gibt. Ich möchte meinen Followern nicht die unerreichbare Influencerin mit Glossy-Filter sein, sondern definiere mich als eine von ihnen: eine ganz normale Frau mit Kind, Mann und Job, die über Sex spricht.

Auf Instagram zeigst Du auch manchmal viel von Dir z.B. wie Du einen schönen BH trägst. Wo ist Deine Grenze, wo Du sagst, das geht mir jetzt zu weit?

Florentine Winter: Die Grenzen für Instagram und meinen Blog habe ich mit meiner Familie abgestimmt. Die Grundfrage lautet immer: „Fühle ich mich wohl damit, dass dieses Bild von mir für ewig im Netz ist?“

Mein Mann besteht darauf, dass ich keine Nacktbilder veröffentliche, und ich lege Wert darauf, die Privatsphäre meines Kindes zu achten. Ich finde es gerade als Sexblogger extrem wichtig ein gewisses Niveau zu wahren.

Wer liest Deinen Blog und was möchtest Du Deinen Leserinnen und Lesern mitgeben?

Florentine Winter: Meine Leserinnen sind überwiegend Frauen ab Anfang dreißig. Sie suchen einen neuen Blickwinkel, Inspiration oder wollen sich in einem Thema wiedererkennen. Ich möchte ihnen auch die gute Freundin sein, die sagt: „Versuche mal dieses hier! Das hat mich richtig angemacht!“

Du testest eine Menge Sextoys. Welches empfiehlst Du?

Florentine Winter: Sextoys sind ja immer eine Frage der persönlichen Vorliebe, denn jeder mag es, anders stimuliert zu werden. Daher würde ich mein Gegenüber vor einer Empfehlung immer zuerst fragen, welche Art der Berührung erregt Dich am meisten?

Wenn es darum geht meine Lieblinge zu wählen, dann sind das zur Zeit sicher der duale Vibrator Lady Bi von Fun Factory, der zaubert so schöne, satte Orgasmen. Ich mag seit Ewigkeiten den Auflege-Vibrator Mimi von Je Joue. Er hat eine schöne flache Form und liegt gut in der Hand. Ein Klassiker meiner Toy-Kiste ist der Paarvibrator We-Vibe. Er begleitet mein Liebesleben seit Beginn des Blogs.

Du hast mal gesagt, dass Du ein gespaltenes Verhältnis zu Porno hast. Inzwischen gibt es Frauen wie Erika Lust, die Pornos drehen. Spricht Dich das mehr an?

Florentine Winter: Ja, das stimmt. Ich stehe Pornografie zwiegespalten gegenüber. Hier stehe ich mir selbst im Weg: Es beißt sich mein ästhetischer Anspruch mit dem Fakt, dass der Sex im Porno oft künstlich wirkt.

Ich liebe die Aktfotografie zum Beispiel Werke von Kevin McDermott. Das wäre mein ästhetischer Anspruch an einen Mann im Porno. Dazu sollte auch noch die Umgebung stimmen und der Sex echt sein. Da ich weiß, dass ich das nicht alles bekommen kann, verzichte ich lieber darauf. Zwar gab es einmal einen Anbieter, der in diese Richtung ging, aber leider ist deren Sex inzwischen auch zu künstlich geworden.

Deine größte erotische Überraschung?

Florentine Winter: Die größten erotischen Überraschungen sind immer die, die aus dem Nichts geschehen. Mir hat einmal ein Mann eindeutige Avancen gemacht, von dem ich das niemals erwartet hätte. Das hat mein Kopfkino sehr angeregt.

Der größte Abtörner im Bett?

Florentine Winter: Ich bin sehr empfindlich für Gerüche. Daher schließen sich bei mir Zwiebeln, Fisch oder Knoblauch und innige Küsse aus. Ich verfalle dann in eine lähmende Starre und kann mich einfach nicht von dem Geruch lösen, selbst wenn der Rest absolut heiß ist.

Und der größte Antörner?

Florentine Winter: Ich mag aufmerksame Männer sehr. Wenn er dann noch Kochen kann, Manieren hat, gut riecht und mir in den Nacken beißt, ist es um mich geschehen.

Welche Deiner Themen laufen am besten?

Florentine Winter: Am beliebtesten sind alle Themen rund um Lovetoys. Ein Highlight ist mein erotischer Online Adventskalender auf dem Blog. Ich bin meinen Sponsoren jedes Jahr aufs Neue dankbar dafür, dass wir diesen geilen Kalender auf die Beine stellen!

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3 Responses to Sexpreneurinnen: Erotik-Blog-Pionierin Florentine Winter: „Mir geht es vor allem darum, Frauen zu inspirieren, ihre eigene sexuelle Identität zu finden und zu leben“

  1. Tanja sagt:

    Toller Beitrag, vielen Dank dafür.

  2. Christa sagt:

    Einfach ein super schönes Interview 🙂
    Konnte viel daraus mitnehmen und schau mir dne Blog von Florentine auf jeden Fall noch desöfteren mal an.

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