Sexpreneurinnen: Swinger-Bibel Autorin Lotta Frei: “Die Frau hat das letzte Wort – your Pussy – your rules”

Mit der Swinger-Bibel hat die Erotik-Bloggerin Lotta Frei einen Ratgeber geschrieben, der einen authentischen Blick hinter die Kulisse der modernen Swinging-Szene erlaubt. Randvoll mit vielen praktischen Tipps nimmt sie Leser und vor allem Leserinnen mit auf ihre persönliche Reise zu einer glücklicheren sexuellen Identität. Grund genug, ihr noch ein paar Fragen zu stellen.

Du schreibst in Deinem Buch, dass Du nach 16 Jahren Beziehung zum ersten Mal in einem Swinger-Club warst? War das für Dich ein großer Schritt?

Lotta Frei: Den Wunsch, einen Swinger-Club zu besuchen, trug ich schon seit vielen Jahren mit mir herum. Zunächst nur heimlich für mich allein. Als mein Freund und ich dann irgendwann überlegten, wie wir unser etwas eingeschlafenes Sexleben wieder in Fahrt bringen könnten, brachte ich diesen Vorschlag ein. Der Gedanke, uns im wahrsten Sinne in der Öffentlichkeit nackig zu machen, flößte uns beiden aber gehörigen Respekt ein. Wir sind beide eher schüchtern und nicht mit einem soliden Selbstbewusstsein ausgestattet. So schoben wir den Plan jahrelang vor uns her auf den Tag, an dem wir unsere Körper für vorzeigbar halten würden – was immer das bedeuten soll. Ich sage es gleich: dieser Tag kam nie. Ich hadere wie viele Frauen immer noch mit meinem Körper, mal mehr mal weniger. Und habe es einfach trotzdem gemacht. Ich wollte nicht länger warten. Man könnte also sagen, ich habe mit viel Anlauf zu diesem großen Schritt angesetzt, und er ist gelungen.

Wie wichtig war es, dass Du einen Begleiter hattest, der Dich sozusagen eingeführt hat?

Lotta Frei: Einen anderen Mann kennenzulernen, der jahrelange Swinger-Erfahrung hat, gab den Impuls zu sagen: Jetzt warte ich nicht länger, ich mach‘ es einfach. Als der große Abend kam, war ich natürlich furchtbar aufgeregt. Die Gelassenheit meines Begleiters und die Selbstverständlichkeit, mit der er die Sache anging, haben sehr entspannend und erdend auf mich gewirkt. Alleine hätte ich im Swinger-Club wohl erstmal hilflos rumgestanden. Er gab dem Ganzen Struktur: Als erstes ziehen wir uns in der Garderobe um. Dann gehen wir mal an die Bar und holen uns ein Getränk. Als nächstes machen wir mal einen Rundgang durch den ganzen Club und ich zeige dir die Räume, solange noch nicht viel los ist. Auch als ich später mit einem jungen Herrn intimer wurde, war er mein Anker, der immer in meiner Nähe blieb und mir signalisierte: ich bin da, falls du mich brauchst. So konnte ich mich trotz der Aufregung fallen lassen und es wurde ein sehr erotischer, spannender und geiler Abend.

Was war für Dich die größte Überraschung nach Deinem ersten Besuch?

Lotta Frei: Ich bin kein Mensch, der sich vorher bildliche Szenen vorstellt. Am Ende kommt es eh anders als man denkt. Trotzdem hatte ich Erwartungen: die Vorstellung beim Sex Zuschauer zu haben, hat mich unendlich erregt. Als es dann tatsächlich dazu kam, konnte ich nur schwer damit umgehen – weil die erwartete Erregung ausblieb. Es waren einfach zu viele neue Eindrücke gleichzeitig! Ich habe dann versucht, mich ganz auf den Mann zu konzentrieren, mit dem ich Sex hatte, und auf meine Empfindungen dabei. Dass wir dabei in einem sehr kleinen Raum waren und die Zuschauer uns nur durch Gucklöcher sahen half dabei. Was mich allerdings über die Maßen überrascht hat, war der Respekt und Anstand, mit dem die Männer im Club mir begegneten. Ich hatte im Vorfeld Sorge, wie es mir gelingt, unerwünschte Avancen abzuwehren. Aber das war gar nicht nötig! Die Männer nahmen so zaghaft und ehrfürchtig Kontakt mit mir auf, dass ein Kopfschütteln, ein ‚Nein, danke‘ oder einfach eine weggeschobene Hand ausreichten. Bei Flirts im Alltag vermisse ich so oft die Zwischentöne. Da liegt ‚sich ignorieren‘ auf der einen Seite und ‚derbe, grenzüberschreitende Sprüche‘ auf der anderen – dazwischen ist ein Vakuum. Wir haben es verlernt, uns den Hof zu machen, uns zu umgarnen und umgarnt zu werden. Das ist etwas, das ich im Swinger-Club gefunden habe, obwohl ich es dort als Letztes erwartet hätte.

Aus meiner Erfahrung spielen viele Frauen mit dem Gedanken, mal in einen Swinger-Club zu gehen, trauen sich dann aber oft nicht. Was wäre Dein Tipp für sie?

Lotta Frei: In jedem Club gibt es Abende, die Paaren und Frauen vorbehalten sind (an denen also keine Solo-Männer zugelassen werden). Viele Paare besuchen solche Abende, weil sie unter sich bleiben wollen, also keinen Partnertausch möchten – oder nur gemäßigte Kontakte ohne Herrenüberschuss. Außerdem bieten manche Clubs Tage der offenen Tür, an denen kein Sex stattfindet und man sich einfach ungezwungen die Räume anschauen und die Mitarbeiter oder andere Stammgäste kennenlernen kann. Eine Trockenübung sozusagen! Wenn man die Räume dann erstmal gesehen hat und merkt, da arbeiten ganz normale Menschen, ist die Hemmschwelle schon viel geringer!

Kannst Du Frauen raten, alleine in Clubs zu gehen?

Lotta Frei: Ich kenne viele Frauen, die alleine in den Club gehen. Das sind solche, die bereits jahrelange Erfahrung haben und vielleicht gerade Single sind, die aber auf Sex nicht verzichten möchten. Der Swinger-Club bietet ihnen dafür einen geschützten Rahmen. Wenn man als Solo-Frau einen Abend erwischt, an dem sonst nur Pärchen anwesend sind, kann es etwas mühsam werden. Manche Paare suchen natürlich gezielt eine zweite Frau, egal ob bi oder nicht. Bei anderen fährt die Frau die Krallen aus, weil sie die Solo-Frau als potentielle Bedrohung sieht. Auch Swinger sind nicht frei von Vorurteilen und Eifersucht. Sobald Solo-Männer zugelassen sind, stehen die Chancen auf Sex gut. Man sollte sich also wie immer vorher das Programm anschauen und ruhig auch den Club anmailen, ob man als sich als Solo-Frau dort wohlfühlen kann.

Welcher Themenabend ist am ehesten für einen ersten Besuch geeignet?

Lotta Frei: Das kommt darauf an, was man sucht und wovon man träumt. Ich empfehle für den Anfang gern Abende, die auf eine besondere Kostümierung Wert legen wie zum Beispiel Maskennächte. Sie geben einen klaren Dresscode vor, der die Kleiderfrage erleichtert.  Oft legt ein DJ auf, es ist wie eine normale Party – mit der Option auf Sex. Erfahrungsgemäß trauen sich viele Neulinge an solchen Abenden zuerst in den Club.

Genau das kann aber auch ein Nachteil sein. Wenn ich mich nach Orgien und wildem Durcheinander sehne, werde ich an solch einem Abend eher enttäuscht sein. Dann wären Wifesharing-Abende mit Herrenüberschuss besser geeignet. Ein anderer wäre von solchen wiederum völlig überfordert – auf HÜ-Abenden kann es schon mal Gangbang-mäßig zur Sache gehen. Man sollte sich also überlegen: wieviel mute ich mir zu, wieviel will ich sehen?

Was meinst Du in Deinem Buch mit dem Satz: „Jede Frau ist im Swinger-Club eine Königin?“

Lotta Frei: Wie ich vorher schon sagte: der Respekt und die Wertschätzung, die man als Frau im Swinger-Club erfährt, sind etwas Besonderes. Man wird umgarnt und bekommt Komplimente von Männern und Frauen gleichermaßen. Und bei allem hat die Frau das letzte Wort. Your pussy, your rules! In Sachen Konsens sind Swinger der Allgemeinheit weit voraus. Kommunikation kann sexy sein, und es gilt schon vor dem eigentlichen Akt herauszufinden, auf was der/die andere steht – verbal oder nonverbal. Man macht nicht einfach drauf los. Eigentlich schade, dass das besonders hervorgehoben werden muss, und nicht einfach eine Selbstverständlichkeit ist.

Frauen sind ja häufig sehr selbstkritisch und haben Angst, nicht attraktiv, nicht dünn, nicht jung genug zu sein. Wie sind hier Deine Erfahrungen?

Lotta Frei: Witzig, erst gestern habe ich auf einer Party mit einem Mann über dieses Thema gesprochen. Er – um die 50, muskulös, einnehmendes Lächeln – gestand mir, dass er am liebsten Frauen anspricht, die nicht perfekt sind. Ausgeprägte Schönheit flößt ihm so viel Respekt ein, dass ihn der Mut verlässt. Und das aus dem Mund eines Mannes, der auf meiner Attraktivitätsskala eine 12 von 10 wäre. Ich fühle mich selbst nicht sonderlich attraktiv – das Gewicht könnte weniger, die Haut straffer sein, ich hadere wie viele Frauen mit meinem Po und Cellulite. Und dieser Traummann sagt mir, wie schön ich mich anfühle, so fest und kräftig! Was ich sagen will: zwischen Selbst- und Fremdbild liegen Welten. Keine Frau sollte ihre Selbstzweifel über ihr Sexleben bestimmen lassen. Und auf dem Weg in dieses Sexleben darf man sich Hilfe holen: zum Beispiel in Form von kompetenter Beratung in einem guten Dessous-Geschäft. Es gibt Spezialistinnen, die für jede Figur den passenden Swinger-Club-Fummel wissen. Korsetts zum Beispiel sehen erst richtig schön aus, wenn sie ausgefüllt werden und Kurven betonen dürfen. An schlanken, ‚flachen‘ Figuren sehen Bodystockings oder Harnesse ganz großartig aus. Und was das Alter betrifft: die älteste Frau, die ich in einem Club traf, war Ende 60 – und auch sie blieb an diesem Abend nicht allein.

Dein ultimativer Tipp für Männer, um im Swinger-Club zum Zuge zu kommen?

Lotta Frei: Trau Dich, Blickkontakt mit den Frauen aufzunehmen und zu halten! Damit meine ich kein lüsternes Starren, sondern einen aufmerksamen, freundlichen und offenen Blick. Wenn sie zurück schaut, schenk ihr dein Lächeln! Sei nicht zu direkt mit sexuellen Aufforderungen. Stattdessen könntest du sagen: Ich kenne hier niemanden und du siehst nett aus – darf ich mich neben dich setzen? Das ist so ehrlich und nett, dass sie wahrscheinlich ja sagen wird. Und eins ist immer noch der beste Türöffner: mach ihr ein ganz konkretes Kompliment. Für ihr Kleid, ihre Augen oder ihr Lächeln. Wenn die Frau oder das Paar schon mitten im Spiel sind, schau erstmal eine Weile zu und suche dann langsam körperlichen Kontakt, zum Beispiel durch Streicheln. Wenn du willkommen bist, wirst du es merken. Mehr als ein Nein kann ja nicht passieren. Du siehst, es kann eigentlich ganz leicht sein. Einen gepflegten und frisch geduschten Körper, sorgsam gewählte Kleidung und ein generell freundliches Wesen setze ich jetzt mal als selbstverständlich voraus.

Im Moment boomen Partyreihen, in denen Frauen als „Stuten vorgeführt und benutzt werden“. Steht bei diesen Parties nicht eher die Lust der Männer im Mittelpunkt?

Lotta Frei: Viele Frauen teilen die Fantasie von Dominanz und sexueller Benutzung (bis hin zu Vergewaltigungsfantasien, die gar nicht selten sind). Es gibt Hinweise, dass das aufgrund jahrtausendlanger Unterdrückung der Frau sogar in unseren Genen verankert ist. Wenn du auf so einem „Stutenmarkt“ also stille Passivität beobachtet hast, kann das durchaus ein gewollter Teil der Inszenierung dieser Paare sein. Ich habe selbst bereits an so einer Party teilgenommen und fand es ausgesprochen erregend. So habe ich auch die anderen Frauen bei der Party erlebt – da herrschte die pure Lust! Von außen gesehen mag die Lust der Männer im Mittelpunkt stehen, allein schon durch das Vokabular. Benutzen, Vorführen, Zureiten, Stutenversteigerung… Der Veranstalter dieser Party verriet mir unter vier Augen später folgendes: Das ganze Drumherum, das Vokabular und die Inszenierung sollen die männlichen Gäste ruhig geil machen. Wenn diese „Deckhengste“ dann ausdauernd und willig die Frauen befriedigen und diese am Ende der Nacht mit einem breiten Grinsen den Club verlassen, hat er sein Ziel erreicht. Er weiß, dass eine gute Party damit steht und fällt, ob die Frauen sich wohlfühlen. Den „Stutenmarkt“ veranstaltet er nur 1x im Jahr, und kurz nach der Party ist die nächste schon wieder ausgebucht. Das sagt eigentlich alles.

Außerdem: männliche Lust auf Härte und Benutzung zu reduzieren, wird ihr nicht gerecht. Sie hat genauso viele Facetten und eine genauso große Bandbreite wie die weibliche Lust – auch auf Swinger-Parties.

Wie hältst Du es mit der Frequenz von Swinger-Club Besuchen? Dosiert man besser, weil man sonst abstumpft?

Lotta Frei: Wenn einige spannende Partytermine dicht aufeinander folgen, brauche ich danach tatsächlich erstmal eine Auszeit. Ich habe zwar nicht das Gefühl abzustumpfen. Aber die Reize und Eindrücke an solchen Abenden sind doch sehr dicht und ich benötige dann erstmal Zeit zum Verarbeiten. Es gibt Phasen – zum Beispiel wenn ich in der Arbeit viel Stress habe – in denen ich keine Lust auf neue Bekanntschaften im Club habe. Dann halte ich mich dort lieber an Bekannte und Freunde, weil das Vertraute gut tut. Diese Kontakte können natürlich erst mit regelmäßigen Besuchen an Tiefe gewinnen. Dann wiederum taucht ein neuer Mann auf, der mich fasziniert, oder ich lerne ein altbekanntes Gesicht im Gespräch an der Bar ganz neu kennen – und schon ist es wieder um mich geschehen. Die Aufregung vor einem Clubabend hat bei mir jedenfalls kaum nachgelassen – man weiß nie, wen man trifft und was der Abend bringt!

Auf Deinem Blog plädierst Du für offene Beziehungen. Könntest Du Dir vorstellen, jemals wieder völlig monogam zu leben?

Lotta Frei: Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls kann ich mir nicht mehr vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der auf sexuelle Treue besteht. Das ist einfach eine Frage der innersten Überzeugung. Aber es kann gut sein, dass auch in meinem Leben Zeiten kommen, in denen das Thema Sex und Swinger-Club einen geringeren Stellenwert hat. Dann ist es trotzdem schön zu wissen, dass ich könnte, wenn ich wollte. Das ist letztendlich die Essenz der offenen Beziehung, egal ob man es dann tatsächlich auslebt oder nicht.

Trotzdem möchte ich betonen, dass die offene Beziehung nicht das neue Maß aller Dinge ist. Du bist in deiner monogamen Beziehung glücklich, verspürst auch keine Sehnsucht nach fremder Haut und gehst lieber nur mit deinem*r Partner*in auf erotische Entdeckungsreise? Herzlichen Glückwunsch! Ich möchte mit meinem Blog einfach aufzeigen, dass eine gelingende und glückliche Beziehung auch anders aussehen kann. Ich wünsche mir, dass alle Menschen über die Möglichkeiten informiert sind, wie vielfältig Beziehung aussehen kann. Und dann ihre ganz eigene Entscheidung treffen, was für sie in diesem Moment richtig ist.

Dein heißester Tipp für eine Mottoparty oder einen Club?

Lotta Frei: Wer etwas wirklich Besonderes erleben möchte, dem empfehle ich einen Besuch von Schloss Milkersdorf bei Cottbus. In diesen opulenten Räumlichkeiten regen viele kleine Details die Fantasie an. Hier stimmt alles: die Einrichtung, die weiche Beleuchtung, die traumhaften Himmelbetten und die aufmerksamen Mitarbeiter. Ein Abend ist mir besonders in Erinnerung geblieben, die „Schlossnacht der weiblichen Gelüste“. Hat nicht fast jede Frau schon mal davon geträumt, mit einer anderen Frau Zärtlichkeiten auszutauschen? Dieser Abend bot die passende Inszenierung für solche sinnlichen Fantasien, egal ob zusammen mit dem Partner oder ganz geschützt nur unter Frauen. Schloss Milkersdorf ist jedenfalls der schönste Swinger-Club, den ich kenne – auch wenn man nur einen besonderen Abend als Paar verbringen möchte. Die Eintrittspreise haben es durchaus in sich, dafür tritt man durch die Tür wirklich in eine andere Welt ein.

Lotta Frei ist ein Pseudonym. Warum hast Du Dich entschieden, anonym zu bleiben?

Lotta Frei: Indem Lotta für mich in der Öffentlichkeit steht, kann ich privat weiterhin völlig unbehelligt und geschützt in Swinger-Clubs gehen und flirten. Lotta erhält Nachrichten fremder Männer, die sich als Teilnehmer für die nächste Blog-Geschichte anbieten – das zeigt mir, dass die Entscheidung richtig war, unter Pseudonym zu schreiben. Der Gedanke, dass jemand nur mit mir schlafen will, um dann über sich im Blog zu lesen, ist – naja. Ich möchte im Club weiterhin eine ganz normale Frau unter ganz normalen Menschen sein.

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